Feentjes Travel Diary: Der Traum von sozialer Arbeit in Afrika


Feentje ist 23 Jahre alt und gebürtige Wilhelmshavenerin. Momentan studiert sie in Hamburg Sozialpädagogik, Management und Businesscoaching. Mit uns spricht sie über ihre eindrucksvollen Erfahrungen in Kenia und Nepal.


Instagram: feentje_keunecke


C&K: Wie und wo haben wir uns kennengelernt?


Feentje: “Kira kenne ich bereits seit der ersten Klasse - wir sind schon sehr lange gute Freunde. Cindy habe ich durch Kira kennengelernt.”


C&K: Wann und wo warst du bisher im Ausland und wie lange bist du dort gewesen?


Feentje: “Ich war mit 19 das erste Mal im Ausland für vier Monate. Damals habe ich mich für Kenia entschieden und bin im gleichen Jahr nochmal für zwei Monate dort gewesen. In der Zwischenzeit bin ich noch für zwei Monate nach Nepal gegangen.”


C&K: Warum hast du dich für Kenia beziehungsweise Nepal entschieden? Würdest du diese Länder weiterempfehlen?

Feentje: “Ich habe immer das Verlangen verspürt etwas zu erleben, was ganz anders ist als alles was ich kenne. Afrika hat mich fasziniert. Die unfassbare Schönheit des Landes und dessen Armut, in allen Bereichen gegensätzlich zu Deutschland. Ich wollte etwas extremes und habe etwas extremes bekommen. Kenia hat mich direkt in seinen Bann gezogen! Ich habe noch nie herzlichere Menschen kennenlernen, schönere Natur bewundern und intensivere Erfahrungen sammeln dürfen, wie an diesem Ort.

Nepal habe ich mir ausgesucht, weil ich den asiatischen Raum etwas kennenlernen wollte und mich auch dort die Natur gelockt hat. Es ist wieder anders als alles vorherige, aber definitiv nicht weniger atemberaubend. Land und Leute haben mich wieder sehr offen und herzlich aufgenommen und ich durfte den Charme Nepals hautnah erleben.

Jeder, der diese Länder bereist, sollte sich auf einen klassischen Kulturschock gefasst machen. Ich kann es aber nur empfehlen sich darauf einzulassen, weil sie einem unbeschreibliches bieten und jede Sekunde dieser Erfahrung eine Bereicherung ist.”


C&K: Aus welchen Gründen hast du dich für das Ausland entschieden?

Feentje: “Das “Über den Tellerrand hinaus schauen” sollte für mich nicht nur eine Floskel bleiben. Ich wollte lernen, an meine Grenzen zu stoßen und daran zu wachsen und das ist mir gelungen.”


C&K: Welche Erfahrungen hast du bereits im Ausland und wie unterscheiden sich diese?


Feentje: “Kenia und Nepal unterscheiden sich grundlegend. Infrastruktur, Wirtschaft, Regierung, entscheidende Themen in beiden Ländern. Religion hat eine große Bedeutung, wird aber unterschiedlich praktiziert.”


C&K: Wie hat dir deine Arbeit dort gefallen? Was waren deine Aufgaben?

Feentje: “In Kenia habe ich nachts in einem Krankenhaus gearbeitet und tagsüber ein Projekt in einem Armendorf unterstützt durch medizinische Versorgung oder dem Verteilen von Grundnahrungsmitteln. Ich habe keine medizinische Ausbildung, durfte aber von Medikamenten, über Tests und Blutabnahmen, bis hin zu kleinen Eingriffen alles übernehmen. In Nepal habe ich vormittags in einer inklusiven Schule eine Grundschulklasse betreut, mit Kindern, die zuvor auf der Straße gelebt hatten oder aus sozial sehr schwachen Familien kamen. Nachmittags habe ich in einem Wohnhaus für Menschen mit Behinderung aushelfen dürfen.”



C&K: Wie sieht es mit deinen Zukunftsplänen aus? Was ist dein nächstes Ziel?


Feentje: “Nach Abschluss meines Studiums strebe ich die Leitung eines Wohnhauses für Menschen mit Behinderung an. Zurzeit absolviere ich den praktischen Teil meines Studiums in einem und liebe die Arbeit sehr.”


C&K: Möchtest du noch einmal zurück in die Länder?


Feentje: “Es zieht mich immer wieder nach Kenia, ich habe einen Teil meines Herzens an dieses Land verloren und würde mit einem eigenen Projekt für Menschen mit Behinderung gerne etwas zurück geben. Ich hoffe sehr, dass sich das in Zukunft ermöglichen lässt.”


C&K: Hast du Tipps, um einen Platz im Ausland zu bekommen? Wie hast du dich beworben und vorbereitet?


Feentje: “Ich bin kein Musterbeispiel für gute Vorbereitung! Ich bin sehr spontan und eher chaotisch veranlagt und hatte damals aus dem Bauch heraus nach kleinen Organisationen gegoogelt und die Gründerin einfach angerufen. Vier Wochen und viele Nervenzusammenbrüche später, saß ich im Flugzeug. Ich kann also aus Erfahrung empfehlen, sich mit dem Land und dessen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, allein aus Respekt und für die eigene Sicherheit. Zumindest der Flug, der Transfer und die erste Nacht sollten geregelt sein.”


C&K: Und wie sieht es mit der Finanzierung aus?


Feentje: “In den Projekten, die ich unterstützt habe, wurde eine Unterkunft und die Grundversorgung (dem Landesstandard entsprechend) gestellt. Flug und alles Weitere habe ich selbst finanziert.”

C&K: Wie verlief denn die Kommunikation vor Ort?


Feentje: “Die Kommunikation lief, soweit möglich, auf Englisch, später kamen Wortfetzen der Landessprache dazu.”


C&K: Wie hast du Kontakte geknüpft?


Feentje: “Es gab immer einen Ansprechpartner der Organisation, ansonsten sollte man einfach offen sein. Die Menschen sind meist neugierig und freuen sich ebenfalls über neue Kontakte und einen internationalen Austausch.”


C&K: Wie ist das Leben in Kenia und Nepal? Welche Unterschiede zu Deutschland sind dir am meisten aufgefallen?


Feentje: “Das Leben ist auf kaum einer Ebene vergleichbar. Die finanzielle Lage ist der maßgebliche Unterschied, die Hygienestandards, das Regierungssystem und die Selbstverständlichkeit der Religion. Ich habe in beiden Ländern die Erfahrung gemacht, dass Leben einfach sein kann. Einfach einfach, einfach schön. Die Lebensfreude, Offenheit und Herzlichkeit ist mir am meisten im Gedächtnis geblieben und sich an dem zu erfreuen, was man hat. Das Leben zu nehmen, wie es ist und jede Sekunde des Tages zu schätzen und zu nutzen.”


C&K: Was sind für dich die größten Vorteile im Ausland zu arbeiten?


Feentje: “Eine neue Kultur kennenzulernen, internationale Kontakte zu knüpfen, die Englischkenntnisse zu erweitern oder eine neue Sprache zu lernen. Aus seiner Komfortzone gezogen zu werden und tagtäglich neue Aufgaben zu meistern. Zusammengefasst: Über sich hinaus zu wachsen.”


C&K: Gab es auch Probleme?


Feentje: “Teilweise gab es sprachliche Differenzen, da aufgrund mangelnder Bildung die Englischkenntnisse nicht gut oder gar nicht vorhanden waren. Aber zum Glück lässt sich mit Händen und Füßen alles regeln. Ich musste meinen Standpunkt ein Paar mal mehr verdeutlichen, weil ich eine Frau und kulturell bedingt einfach in der schwächeren Position bin. Außerdem habe ich einen Rückflug verpasst, das war allerdings eigenes Verschulden.”


C&K: Wurdest du je darauf angesprochen alleine als Frau nach Kenia/Nepal gegangen zu sein?


Feentje: “Wurde ich tatsächlich, allerdings immer in einem positiven Zusammenhang und immer eher verbunden mit Respekt vor der Entscheidung.”


C&K: Was konntest du aus dieser spannenden Zeit mitnehmen? Wie hat es dich verändert?


Feentje: “Ich bin wesentlich offener und reifer geworden. Selbstvertrauen, also das Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten, habe ich komplett neu erlernt und alles nicht so ernst zu nehmen. Ich schätze die kleinen Momente deutlich mehr und bin unfassbar dankbar für alles, was vorher selbstverständlich zu sein schien. Meinem deutschen Pünktlichkeitsdrang hat die Erfahrung allerdings nicht gut getan, der ist nun noch weniger deutsch als er vorher schon war.”


C&K: Was bedeutet Reisen für dich?


Feentje: “Die Möglichkeit mich selbst und die Welt um mich herum in allen Facetten kennenlernen zu dürfen. Die purste Form von Freiheit und Glück.”


C&K: Danke, für das tolle Interview und deine Zeit.




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