Erasmus 1.0: Bulgarien, Sofia

"Travelling means finding out that everyone is wrong about what they think about other countries."

- Aldous Huxley




In diesem Blogbeitrag möchten wir euch einen Einblick in unser erstes Auslandssemester geben. Im Wintersemester 2018 verbrachten wir fünf Monate im Land der Rosen - in der wunderschönen Hauptstadt Bulgariens - SOFIA! Wir haben dort an der Sofia Universität St. Kliment Ohridski studiert. 


WARUM BULGARIEN?


Diese Frage wurde uns sehr oft gestellt, sowohl zu Hause als auch von den Einheimischen in Bulgarien.


Es gibt viele negative Vorurteile über dieses schöne und hochinteressante Land. Ja, es stimmt, dass Bulgarien eines der ärmsten Länder Europas ist und dass dort in vielen Bereichen sicherlich nicht deutsche Standards herrschen. Aber genau das hat Bulgarien für uns so spannend gemacht. Man fliegt weniger als drei Stunden und betritt eine völlig andere Kultur. Ein Land, das noch stark von seiner sozialistischen Vergangenheit geprägt ist und eine ganz eigene Sprache und Bräuche hat. Der Osten, dieses Land und vor allem die Stadt Sofia werden absolut unterschätzt.


VORBEREITUNG


Die Vorbereitungen sind hauptsächlich Papierkram. Zuerst wird eine kurze Bewerbung an das International Office mit Anschreiben, Lebenslauf und Notenspiegel gefordert. Hier können auch schon die zwei bis drei liebsten Zielstädte angegeben werden. Anschließend werden die Plätze vergeben. Es gibt zwar eine begrenzte Anzahl an Plätzen, aber das International Office kann immer mehr Plätze anfragen, wenn die ausländische Universität mehr Studierende akzeptiert. So kann es sein, dass ihr doch an eure Wunsch-Uni dürft.


Wenn die Frage nach Stadt und Land geklärt ist, gilt es einige Anmeldeformulare auszufüllen. Dann gibt es von den jeweiligen Universitäten immer gesonderte Kurslisten für Erasmus Studenten. Diese haben wir durchgearbeitet und uns die Kurse herausgesucht, die wir gerne im Ausland schreiben und anrechnen lassen wollten. Hierbei haben wir immer die Creditzahl, sowie eine Kursbeschreibung herausgesucht und geschaut, das diese in etwa den deutschen Kursinhalten entsprechen. Die Kurse müssen übrigens nicht aus derselben Fakultät sein. In einem Gespräch mit dem Dekan sind wir unsere Auswahl durchgegangen. Am Ende entsteht daraus das Learning Agreement. Dieses verändert sich mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn ihr erst einmal vor Ort seid. So ist es auch bei uns gewesen.


Außerdem haben wir uns mit der Frage nach der Art der Unterkunft beschäftigt, aber dazu später mehr. Ansonsten ist es sinnvoll sich - sofern noch nicht vorhanden - eine Kreditkarte zuzulegen, sowie Fragen zur Krankenkasse, Auslandsversicherung und Datenroaming zu klären. Wichtig zu wissen ist, welche Währung in eurem Zielland genutzt wird. In Bulgarien ist es die Währung Lew. Der Wechselkurs lässt sich leicht bestimmen, da beispielsweise ein Lew ungefähr 0,51 Euro entsprechen und somit in etwa die Hälfte des Euros wert ist. All die Planung klingt viel, ist aber unkompliziert. Wenn diese im Laufe des vorherigen Semesters abgearbeitet ist, kann es auch schon losgehen. 


ANKUNFT



Von Hamburg aus sind wir gegen Mittag zweieinhalb Stunden nach Sofia geflogen. Die Flugtickets nach Bulgarien sind wirklich günstig und zu der Zeit waren von dort aus immer Direktflüge vorhanden. Ob das nach der derzeitigen Corona Krise noch so ist, bleibt natürlich fragwürdig. Bulgarien ist in einer anderen Zeitzone, daher ist es dort aktuell eine Stunde vor der Zeit in Deutschland.

An der Universität in Sofia ist es gängig, dass (fast) jeder einen freiwilligen „Buddy“ an die Seite gestellt bekommt. Das sind Studierende aus den höheren Semestern, die für Fragen zur Verfügung stehen und einem die Eingewöhnung vereinfachen sollen. Auf uns hat daher am Flughafen schon unser liebevoller Buddy gewartet, die uns bei der Fahrt zu unserem neuen Zuhause begleitet hat. Bei dem vielen Gepäck ist uns eine Fahrt mit dem Taxi am einfachsten erschienen. Wir haben schon des Öfteren gehört und gelesen, dass ein Taxi in Bulgarien nicht viel kostet, aber der Preis für 18 Minuten Fahrt hat uns einfach umgehauen: 10,67 Lew sind umgerechnet unschlagbare 5,46 Euro - in Deutschland hätten wir wohl mindestens das Dreifache gezahlt.

UNTERKUNFT


 

Wir haben in einer wunderschönen Wohnung ca. zehn Minuten vom Zentrum entfernt gewohnt und 300 Euro pro Person im Monat an Miete gezahlt, was für bulgarische Verhältnisse schon recht viel ist. Die zentrale Wohnung hat über zwei Zimmer, eine schöne Küche, ein geräumiges Wohnzimmer, ein kleines Bad und einen großen Balkon mit Blick auf den riesigen Stadtberg Vitosha verfügt. Das Studentenwohnheim haben wir uns nicht angeschaut, da dieses nicht so schön sein soll. Dort kostet die Miete allerdings auch nur ca. 30 Euro pro Monat, wobei es keine Küche gibt und das Studentenviertel außerhalb ist. Organisatorisch läuft es in Bulgarien ganz anders als in Deutschland. Die Miete hat sich der Vermieter bei uns persönlich zu Beginn des Monats abgeholt und für Strom und Internet sind wir einmal im Monat zu den jeweiligen Shops gegangen und haben diese bezahlt. Teilweise wird von dem Vermieter eine Mindestvertragslaufzeit von sechs Monaten verlangt - also länger als das eigentliche Erasmus. Die zusätzliche Zeit haben wir für einen Reisemonat genutzt.


UNIVERSITÄT


Von außen sieht die Sofia Universität fast schon majestätisch aus und von innen habt ihr das Gefühl ihr seid in Hogwarts. Wenn eine fliegende Kerze im Raum stehen oder ein Bild anfangen würde zu sprechen, hätten wir uns vermutlich nicht einmal gewundert. Die einzelnen Fakultäten sind in der Stadt verteilt und mit dem Bus oder zu Fuß gut erreichbar. Organisatorisch müsst ihr euch ein wenig durchboxen oder euch einfach auf die bulgarische Gelassenheit einlassen. Kontakt wird hier auch gerne telefonisch oder per Facebook gehalten. Das Ganze könnt ihr mit Humor nehmen, denn am Ende hatten wir immer alle Papiere beisammen und nie Probleme. Wenn eine Vorlesung um 15 Uhr angesetzt ist, beginnt sie grundsätzlich erst 15 Minuten später und nach 45 Minuten wird meist eine Pause eingelegt.


 

TRANSPORT


Aufgrund der guten Lage und des Wetters sind wir fast immer gelaufen, da wir auf diese Weise gleich noch die Stadt besser kennengelernt und viele Cafés und Restaurants entdeckt haben. Im Winter und bei Schnee sind wir dann aber doch auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen. Eine Monatskarte für alle Transportmittel für Studenten ist mit Kosten von ca. 11 Euro sehr günstig. Das gilt ebenso für die oben erwähnten Taxifahrten. Hier empfehlen wir unbedingt die App Taxi.me. Jedoch wird auch in Bulgarien zu viel Taxi fahren irgendwann zur Belastung für den Geldbeutel. Da lohnt sich eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel weit aus mehr. Busse und Bahnen fahren ca. alle zehn Minuten und das Bus-und Bahnnetz sind sehr einfach nachzuvollziehen mit der Moovit App für Bus und U-Bahn. Für den Weg zum Flughafen haben wir zu Beginn häufig ein Taxi genommen, jedoch ist es sinnvoller die U-Bahn zu nehmen, da diese direkt zum Terminal 2 am Flughafen fährt. 


FREIZEIT, CAFÉS, NACHTLEBEN & SHOPPING


Sofia ist sehr facettenreich. Die Hauptstadt überzeugt einen direkt mit ihrem besonderen Charme. Ihr findet moderne Gebäude gleich neben den zerfallenden Plattenbauten, die beim genauen Hinsehen wie Kunst erscheinen. Die großartigen Parks laden vor allem im Sommer perfekt zum Verweilen oder Picknicken ein und sind ein Treffpunkt für alle Studierenden. Am Vitosha Boulevard gibt es zahlreiche schöne Cafés, Bars und Restaurants mit tollen Angeboten zu günstigen Preisen. Inspirierende Streetart findet ihr an jeder Ecke, besonders aber in der Tsar Ivan Shishman Straße. Alle Highlights der Stadt lassen sich nah beieinander erkunden und sind entspannt zu Fuß zu erreichen. Das golden glänzende Wahrzeichen von Sofia ist die Alexander-Newski Kathedrale, welche absolut sehenswert und perfekt zum Fotos machen ist, wenn Freunde oder Familie gerade zu Besuch sind. 

 
 


Hinter Sofia erhebt sich das Vitosha-Gebirge. Ihr könnt hier super bis zur Spitze des Hausberges hochwandern und im Winter ist der Berg perfekt zum Skifahren geeignet. Für die Wanderung auf den Gipfel empfehlen wir aus eigener Erfahrung keine Converse Chucks zu tragen. ;-) 

 
 


Gute Bars und Cafés gibt es in Sofia in der Überzahl. Die beste Kuchenauswahl findet ihr in unserem Lieblingscafé Nedelya, wo wir für ein großes Stück Kuchen gerade einmal 2,50 Euro gezahlt haben. Einen leckeren Mint-Kaffee kriegt ihr im Green Deli. Für Cocktails zahlt ihr durchschnittlich höchstens 7 Lew, was umgerechnet nur 3,50 Euro sind. Ihr müsst unbedingt den Sofia Mule in The Cocktail Bar probieren!




Restaurantbesuche sind viel preiswerter als in Deutschland. Im Vergleich beispielsweise, kostet eine Pasta von 8 Lew umgerechnet nur ca. 4 Euro. Im Durchschnitt haben wir also nie mehr als 6 Euro für ein Restaurantbesuch gezahlt. In Restaurants oder in Cafés könnt ihr die Rechnung nicht splitten. Deswegen ist es hier von Vorteil, wenn ihr Bargeld dabei habt. 


Zu unseren Lieblingsrestaurants gehören ganz klar das Happy. Hierbei handelt es sich um eine typisch bulgarische Restaurantkette, die wir wirklich sehr vermissen. Im Happy bekommt ihr so ziemlich alles was das Herz begehrt: Burger, Pasta und absolut himmlisches Sushi. Als wir einen Abend mit unserem Buddy dort Essen gegangen sind



und tatsächlich zum ersten Mal Sushi probiert haben, ist die Sucht unseres Lebens entfacht. Ansonsten können wir euch noch das Café 1920, Soho Café, Mammamia, Supa Star, Бирария Стамболов and Chevermeto Sofia empfehlen. Die Liste wäre sehr lang, probiert euch einfach aus, in Sofia ist gefühlt jedes Restaurant absolut gut. Was ihr aber unbedingt essen solltet in Bulgarien: Šopska Salad, Banitsa and Patatnik!


Dafür ist das Einkaufen in Supermärkten dort teurer als in Deutschland, da es sich meist um importierte Ware handelt. Bulgarien ist und bleibt aber ein sehr günstiges Reiseland, bei dem die Wahl zwischen Einkaufen und Essen gehen manchmal sehr schwer fällt. 


Sofia ist für Feiern und Weggehen wie geschaffen. Wir hatten bisher kein besseres Nachtleben gekannt. (Hierbei haben wir jedoch während unseres zweiten Erasmus in Budapest festgestellt, dass das dortige Nachtleben ordentlich Konkurrenz macht.) Clubs wie Terminal 1, Exe, Maze, Gramophone, Carrusel Club und der Yalta Club sind sehr beliebt in Sofia. Nach dem Feiern kriegt ihr noch etwas zum Knabbern in den sogenannten Knieläden. Das sind improvisierte Keller-Kioske an der Straße, die 24 Stunden geöffnet haben - für die allerdings müsst ihr euch weit bücken.



Für alle Shopaholics unter euch, ist Bulgarien das reinste Paradies. Während all unserer Reisen haben wir nie ein Land gefunden, indem es schönere Malls zum Einkaufen gibt. Eine große Mall folgt auf die andere und die zahlreichen Läden haben sieben Tage die Woche geöffnet, sodass ihr auch Sonntags eine sinnvolle Beschäftigung habt. Unser Favorit: Die Paradise Mall. Eine Mall bietet hier mehr als nur Shopping, sondern vielmehr einen All Inclusive - Ausflug für Restaurants, Kinos, Bowling, Spielhallen oder sogar Eislaufen. 






REISETIPPS


Von Sofia aus könnt ihr sehr günstig in die umliegenden Länder gelangen. Vom Erasmus werden regelmäßig Trips im In- und Ausland angeboten. Ein Must go der Erasmus Trips in Bulgarien sind der Vitoshaberg, Plovdiv und Tarnovo. Beide Städte sind wunderschön, wobei Tarnovo uns absolut umgehauen hat! 


Darüber hinaus sind wir auch noch nach Rumänien gereist. Diese Trips sind vom Erasmus organisiert, günstig und bestehen aus Sightseeing, feiern und feiern. ;-) Perfekt also, um Freundschaften zu festigen und eine tolle Zeit mit den anderen aus dem Erasmus zu erleben. Aber auch außerhalb der Erasmustrips sind wir viel gereist, zum Beispiel nach Italien und Griechenland. Demnach solltet ihr abwägen, welche Trips ihr mitmachen und welche Reisen ihr selber planen möchtet. 


Wir sind zum Ende unseres Erasmus noch etwas länger in Sofia geblieben und durch insgesamt sechs Länder (Ungarn, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Albanien und Nordmazedonien) gereist. 


Auf der Website Skyscanner haben wir zum Teil Flüge für 10 Euro gefunden, ansonsten bieten sich bei diesen Ländern Busreisen an. Bei der Busreise kann es manchmal für Gepäck (1-2 Euro) oder auch Eintritt (2 Euro) zu Aufpreisen in den Busbahnhof kommen. Unterkünfte haben wir über AirBnB, Hostelworld und Booking.com gefunden. Insgesamt sind die Kosten für eine 24-tägige Reise sehr gering gewesen. Hier findet ihr auch eine Aufstellung unserer Kosten für den Reisemonat. Ebenfalls günstig sind von Sofia aus Flüge nach Jordanien (20 Euro) oder ein Nachtzug nach Istanbul (21 Euro), was wir zeitlich jedoch leider nicht mehr geschafft haben. 


Alles in einem hatten wir ausschließlich gute Erfahrungen und haben wieder einmal gemerkt, wie sehr diese Länder im Hinblick auf Landschaft, Kultur und Gastfreundschaft unterschätzt werden. Eine riesige Empfehlung ist Montenegros Küstenregion, die euch mit Sicherheit beeindrucken wird. Aber auch die Stadt Ohrid in Nordmazedonien solltet ihr unbedingt (mindestens) einmal im Leben gesehen haben.


WARUM EIN ERASMUS DIE BESTE ENTSCHEIDUNG WAR


Long story short - einfach machen und sich überraschen lassen. Ein Auslandssemester ist der einfachste Weg internationale Kontakte zu knüpfen, viel zu Reisen und eine unvergessliche Zeit zu haben. Wie bei allem gilt es auch hier eigene Erfahrungen zu sammeln und sich selbst ein Bild zu machen. Allerdings ist es für uns beide wohl die beste Entscheidung gewesen, in dieser spannenden Stadt zu studieren und zu leben. 


Wenn ihr mehr über unser zweites Erasmus in Ungarns Hauptstadt Budapest erfahren wollt, könnt ihr euch hier gerne einlesen.


Liebst,








Hier seht ihr noch ein paar weitere Bilder aus Sofia:


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